Mit den militärischen Aktionen der USA und Israels gegen den Iran spitzt sich die Lage im Nahen Osten weiter zu. Die Kriegsführung verändert nicht nur die geopolitische Sicherheit, sondern beginnt auch, globale Kapitalflüsse zu beeinflussen. Die Financial Times (FT) berichtet, dass wichtige Golfstaaten wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Katar erwägen, ihre bestehenden und zukünftigen Auslandinvestitionen zurückzuziehen, um den finanziellen Druck durch den Krieg zu bewältigen. Diese Entwicklung spiegelt nicht nur ein erhöhtes regionales Wirtschaftsrisiko wider, sondern deutet auch auf eine potenzielle Unzufriedenheit der Golfstaaten mit den strategischen Entscheidungen der USA hin.
Golf-Staaten prüfen Investitionen, Krieg belastet die Finanzen
Die FT zitiert einen anonymen Beamten eines Golfstaates, wonach die vier großen Golfwirtschaften Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Katar gemeinsam die durch den Krieg verursachten finanziellen und wirtschaftlichen Belastungen diskutieren und eine Überprüfung ihrer Auslandinvestitionen einleiten.
Einige Regierungsstellen prüfen bereits, ob sie in bestehenden Verträgen auf die Klausel der „Höheren Gewalt (force majeure)“ verweisen können, um ihre Auslandinvestitionen – einschließlich Unternehmenskooperationen, Sportförderungen und Vermögensbeteiligungen – neu zu bewerten und so die finanziellen Belastungen durch den Krieg zu mindern.
Wenn die kriegsbedingten Ausgaben weiterhin auf dem aktuellen Niveau bleiben, könnten diese Überprüfungen die Investitionspläne der Golfstaaten in die USA und andere westliche Märkte weiter beeinflussen.
Einkommensrückgang und Verteidigungsausgaben steigen – Golfwirtschaft unter doppeltem Druck
Der Bericht weist darauf hin, dass diese Überprüfungen präventive Maßnahmen sind, die auf den vielfältigen wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges basieren.
Einerseits sind Energie-Transport und -Export durch die Konflikte beeinträchtigt, der Schiffsverkehr ist stark zurückgegangen, und die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Wasserstraßen für etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gastransports, weist Sicherheitsbedenken auf. Andererseits greifen iranische Angriffe auf US-militärische und diplomatische Einrichtungen im Nahen Osten, was die Aktivitäten an Flughäfen, im Tourismussektor und in der Luftfahrtbranche beeinträchtigt und gleichzeitig die Verteidigungsausgaben der Länder erhöht.
Angesichts sinkender Einnahmen und steigender Ausgaben beginnen die Golfstaaten, ihre Auslandinvestitionen und Finanzplanung neu zu überdenken.
Nahost-Verbündete äußern Unzufriedenheit mit US-Entscheidungen: „Wir wollen nicht in den Krieg hineingezogen werden“
Der Bericht hebt auch hervor, dass die Golfstaaten zuvor die US-Regierung unter Präsident Trump aufgefordert hatten, einen Angriff auf den Iran zu vermeiden und eine diplomatische Lösung zu suchen. Nun müssen sie jedoch die Vergeltungsmaßnahmen Irans gegen US-Verbündete hinnehmen.
Der bekannte Emirati-Millionär und Geschäftsmann Khalaf al-Habtoor äußerte kürzlich auf der Plattform X öffentlich Zweifel, ob die USA die regionalen Risiken durch den Krieg ausreichend einschätzen: „Wer gibt euch die Macht, unsere Region in den Krieg mit dem Iran zu ziehen? Habt ihr vor dem Abfeuern der Waffe bedacht, wie viel Schaden das anrichten wird?“
In eurem (Trump’schen) Friedensrat (Board of Peace), der Großteil der Milliarden-Dollar-Fonds stammt von den Golfstaaten, die die Stabilität und Entwicklung der Region unterstützen – also von uns. Heute sollten diese Länder das Recht haben, zu fragen: „Wohin sind diese Gelder geflossen? Unterstützen wir nur Friedensinitiativen oder stecken wir in einem Krieg, der uns in Gefahr bringt?“
Globale Kapitalflüsse verändern sich – US-Assets verlieren an Attraktivität
Im Artikel werden keine konkreten Länder genannt, die ihre Investitionen zurückziehen könnten. Doch die globalen Kapitalflüsse haben sich bereits verändert. Das Finanzmedium Kobeissi Letter zitierte vor einigen Tagen eine Studie von Bank of America, wonach Investoren weltweit ihre Anlagen zunehmend diversifizieren. Für das Jahr 2026 fließen nur noch 26 US-Dollar von jedem 100 US-Dollar in globale Aktienfonds, was den niedrigsten Anteil seit 2020 darstellt.
Ein Teil des Kapitals wandert nach Japan, Südkorea, Europa und in Schwellenländer, was zeigt, dass Investoren ihre Asset-Allokation neu bewerten und ihre Investitionen außerhalb der USA streuen. Sollte der Einfluss der Golf-Staaten auf ihre Auslandinvestitionen in die USA und andere Märkte weiter sinken, könnte dies neue Unsicherheiten auf den globalen Finanzmärkten auslösen.
Dieser Artikel erschien zuerst bei Chain News ABMedia.