Eines der größten Derivatebörsen der Welt, Cboe Global Markets, hat offiziell den Einstieg in den Prognosemarkt bekannt gegeben, mit einem völlig neuen Ansatz im Vergleich zu Plattformen wie Polymarket und Kalshi. Am 9. März, Taipei-Zeit, veröffentlichte Cboe eine offizielle Ankündigung, in der das Unternehmen ein neues „Prognosemarkt-Framework“ vorstellt. Dieses bricht mit dem traditionellen binären „Ja/Nein“-Vertrag und führt eine dritte Dimension, den „Payout Zone“ (Teilgewinnbereich), ein, sodass Trader, die die Richtung richtig einschätzen, aber nicht exakt treffen, ebenfalls eine Rendite erzielen können.
(Frühere Berichte: Wall Street Journal: Polymarket und Kalshi streben eine Bewertung von 20 Milliarden USD an! Neue Finanzierungsrunde für die Prognosemarkt-Giganten in Planung)
(Hintergrund: Polymarket prognostiziert vor Börseneröffnung, dass WBC in Australien gewinnt – taiwanesische Baseballfans lernen eine Prognosemarkt-Lektion)
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Der Prognosemarkt erlebt einen starken Einstieg traditioneller Finanzgiganten. Am 9. März, Taipei-Zeit, kündigte Cboe Global Markets (CBOE), eine der weltweit größten Derivate- und Wertpapierbörsen, offiziell die Einführung eines neuen „Prognosemarkt-Produkt-Frameworks“ an. Es ist das erste Mal, dass ein Vertrag mit drei Ergebnisoptionen geschaffen wird, um das traditionelle „Alles-oder-Nichts“-Binärmodell zu durchbrechen. Zudem plant Cboe, noch im zweiten Quartal 2026 den ersten Vertrag auf Basis des Mini S&P 500 Index (Mini-SPX) zu lancieren.
Das Kerninnovationsmerkmal dieses Frameworks liegt darin, eine zusätzliche „Payout Zone“ (Teilgewinnbereich) zwischen den klassischen „Vollverlust bei Zielpreis $100“ und „Null bei Ausstieg“ einzuführen. Damit ergeben sich für Trader drei mögliche Ergebnisse:
Null (Ertrag $0), Teilgewinn (innerhalb der Payout Zone), Vollertrag ($100).
Das bedeutet, dass Trader auch dann eine Teilrendite erzielen können, wenn sie die endgültige Entwicklung nur in die richtige Richtung eingeschätzt, aber nicht exakt getroffen haben – im Gegensatz zu klassischen Binärverträgen, bei denen man bei falscher Einschätzung nichts erhält.
JJ Kinahan, Leiter des Bereichs Retail-Expansion und alternativer Investmentprodukte bei Cboe, erklärt: „Die Realität ist nicht schwarz-weiß. Investoren sollten nicht auf das einfache ‚Ja oder Nein‘-Schema beschränkt werden. Dieses feinere Modell soll kluge Urteile belohnen, sodass Privatanleger auch bei richtiger Richtung, aber ungenauem Treffer, eine Belohnung erhalten.“
Cboe gibt in der offiziellen Mitteilung an, dass die Produktgestaltung direkt vom traditionellen „Vertical Spread“ im Optionshandel inspiriert ist, einer der beliebtesten Strategien für Privatanleger. Rob Hocking, Leiter der Cboe-Derivateabteilung, erklärt: „Dieses Produkt verpackt die Mechanik des Vertical Spread in eine intuitivere, zugänglichere Form, um eine breitere Zielgruppe anzusprechen.“ Er betont außerdem:
„Der Bedarf an Event-Driven-Trades rund um den S&P 500 ist klar vorhanden. Der neue Vertrag macht es einfacher, daran teilzunehmen.“
Daten untermauern diese Richtung: Im Jahr 2025 lag das durchschnittliche Tagesvolumen der vertikalen Spreads bei 58.000 Kontrakten bei den SPX-Options, was die anhalt hohe Nachfrage nach richtungsbezogenen, risikoarmen Strategien zeigt.
Der erste Vertrag basiert auf dem Mini S&P 500 Index (Mini-SPX), um die Markteinschätzung zu US-Aktien auszudrücken (z.B. ob der S&P 500 heute über einem bestimmten Niveau schließt). Die wichtigsten Merkmale:
Cboe plant, dieses Framework künftig auf weitere Indizes oder Einzelaktien auszuweiten, zunächst aber auf das SPX-Ökosystem zu fokussieren. Durch die Nutzung des liquiden Index-Optionsmarkts soll eine realitätsnahe Preisbildung, Transparenz und ein robustes Risikomanagement gewährleistet werden.
Mit dieser Ankündigung macht Cboe einen entscheidenden Schritt in den Prognosemarkt. Bereits im Februar 2026 berichtete CoinDesk, dass Cboe in Verhandlungen mit Brokern und Market Makern über entsprechende Produkte steht. Cboe-Derivatechef Hocking sagte im Februar-Quartalsbericht, dass Prognosemärkte eine logische Erweiterung der bestehenden Stärken seien, um neue Kunden zu gewinnen und die Nutzer in die breitere Produktpalette von Cboe einzuführen.
Besonders relevant ist, dass Cboe in einem Zeitpunkt auf den Markt drängt, in dem die US-Regulierungsbehörden SEC und CFTC klare Rahmenbedingungen für Prognosemärkte schaffen. Im Vergleich zu Plattformen wie Polymarket (blockchain-basiert, mit regulatorischen Unsicherheiten) oder Kalshi (CFTC-reguliert) bietet Cboe als lizenzierte, regulierte Börse mit OCC-Abwicklung eine höhere Rechtssicherheit für institutionelle Investoren und Mainstream-Broker.
In den letzten Jahren haben Prognosemärkte das Interesse traditioneller Finanzinstitute geweckt: Coinbase kooperierte kürzlich mit Kalshi, um Prognosemarkt-Features anzubieten, auch Robinhood ist in diesem Bereich aktiv. Mit der Kombination aus Options-Engine, regulatorischer Compliance und dem innovativen Drei-Ergebnis-Framework gilt Cboe als einer der vielversprechendsten Akteure im traditionellen Börsenumfeld.