Der Software-Riese Oracle hat seinen Mitarbeitern ab dem 31. März eine weitere Runde von Entlassungen angekündigt. Wie zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber den Medien mitteilten, beläuft sich die Zahl der betroffenen Beschäftigten diesmal auf mehrere Tausend. Oracle hatte zum 5. Mai 2025 162.000 Mitarbeiter. Oracle selbst lehnte eine Stellungnahme ab.
KI verbrennt Geld, der Aktienkurs steht unter Druck: Entlassungskosten im Griff
Oracles Lage in diesem Jahr ist ziemlich widersprüchlich: Einerseits brechen die in den Büchern ausgewiesenen Vertragsumsätze immer wieder neue Rekorde, andererseits fällt der Aktienkurs weiter. Seit Jahresbeginn ist der Aktienkurs von Oracle um 27% gefallen. Der Markt hat vor allem wegen zweier Punkte Sorge: Erstens wächst durch den Aufstieg generativer KI-Modelle der Wettbewerbsdruck, der womöglich Oracles Marktposition im Kerngeschäft mit Datenbanken untergräbt; zweitens erhöht Oracle die Investitionsausgaben deutlich, um eine Rechenzentrums-Infrastruktur zu schaffen, die KI-Workloads tragen kann, wodurch der freie Cashflow gedrückt wird.
Während Oracle sein Kerngeschäft mit Unternehmensdatenbanken aufrechterhält, hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren stark auf KI-Cloud-Infrastrukturen umgestellt und massiv in den Bau von Rechenzentren investiert. Dieses „alte Geschäfte finanzieren neue Investitionen“-Modell lässt Investoren an der zukünftigen Entwicklung seiner Ertragskraft zweifeln.
Durch ein OpenAI-Abkommen entstehen 300 Mrd. USD an Verträgen, doch der Cashflow-Druck bleibt groß
Im September 2025 legte Oracle seine noch ausstehenden vertraglichen Verpflichtungen (Remaining Performance Obligations, RPO, also bereits unterschriebene, aber noch nicht als Umsatz erfasste Einnahmen) offen. Diese stiegen um 359% auf 455 Mrd. USD, wobei mehr als 300 Mrd. USD auf Vereinbarungen mit OpenAI zurückgehen. Diese Zahlen zeigen, dass Oracle im Rennen um KI-Infrastruktur bereits enorme Auftragszusagen erhalten hat.
Allerdings bedeutet ein sehr hohes Auftragsvolumen nicht automatisch einen unmittelbaren Zufluss von Bargeld. Oracle muss zuerst Geld investieren, um Rechenzentren zu bauen, bevor diese Umsätze nach und nach erfasst werden können. Genau das ist die zentrale Sorge des Marktes hinsichtlich des kurzfristigen Cashflow-Drucks.
Nach dem Start des Dual-CEO-Modells: Erste organisatorische Bereinigungen
Auch diese Entlassungsrunde geschah kurz nachdem Oracle die Übergabe auf der Führungsebene abgeschlossen hatte. Im September 2025 gab Oracle bekannt, dass Mike Sicilia und Clay Magouyrk als gemeinsame CEO an die Stelle von Safra Catz treten, die viele Jahre im Amt war. Nach dem Amtsantritt des neuen Führungsteams wurde die organisatorische Umstrukturierung in der Branche als einer der wichtigen Hintergründe für diese Entlassungen angesehen.
Die Welle von Entlassungen in der Tech-Branche begann bereits 2022 und hat bis heute nicht nachgelassen. Mit Oracle kommt nun ein weiteres Unternehmen dazu – erneut ein Beleg dafür, dass die Umstellung auf KI zu einer Neustrukturierung der Organisationen führt: Auf der einen Seite stehen riesige Investitionen in KI-Infrastruktur, auf der anderen Seite steht die Straffung bei Personal im traditionellen Geschäft. Dieses „Maschinen bekommen mehr Budget, Personal wird reduziert“-Modell breitet sich in der gesamten Tech-Branche beschleunigt aus.
Dieser Artikel über Oracles Entlassung von mehreren Tausend Mitarbeitern: KI-Infrastruktur verschlingt Geld, der Aktienkurs fällt im Jahresverlauf um 27%, die erste Straffung nach Amtsantritt der neuen gemeinsamen CEOs erschien erstmals bei Chain News ABMedia.