DeFi in der "Ertragskrise": Liquiditätsstagnation, schrumpfende Hebelwirkung, keine Arbitragemöglichkeiten

DEFI2,86%
ETH1,67%
AAVE1,3%

Autor: Jae, PANews

Der Abschluss eines Zyklus beginnt oft mit den kleinsten Indikatoren.
Seit September 2025 befindet sich der DeFi-Markt (Dezentrale Finanzen) in einem „Zinswinter“. Die durchschnittliche jährliche Verzinsung (APY) der führenden Stablecoins auf Top-Kreditplattformen hat den niedrigsten Stand seit Juni 2023 erreicht.
Auf Ethereum Mainnet bei Aave V3 sind die Einlagenzinsen für USDC und USDT unter 2 % gefallen. Gleichzeitig sind die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen auf 4,24 % gestiegen. Für DeFi-Spieler, die die Hochphase des DeFi Summer und hohe APYs gewohnt sind, ist dies nicht nur ein Zahlenrückgang, sondern eher ein Totengeläut für das Ende eines Zyklus.
Ist das nur eine zyklische Schwankung oder durchläuft der Markt eine strukturelle Umgestaltung?

Angebots-Nachfrage-Ungleichgewicht, Liquiditätsüberladung führt zu Zinsabsturz
In den letzten sechs Monaten zeigen die Zinskurven der führenden Kreditprotokolle einen kontinuierlichen Abwärtstrend. Ihre Zinsmodelle durchlaufen eine „Renditekollaps“ infolge eines Überangebots.

Der Zinssatz ist der Preis für Kapital. Die physikalische Grundlage für die Preisbildung ist die Kapitalversorgung.
Seit 2024 erlebt die Stablecoin-Branche eine beispiellose „Expansion“, wobei die Marktkapitalisierung von unter 130 Milliarden USD auf über 310 Milliarden USD gestiegen ist – mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von etwa 55 %.

Das Problem ist, dass die plötzliche Steigerung des Angebots nicht im gleichen Maße die On-Chain-Nachfrage erhöht.
Wenn das Angebot eines Gutes (Liquidität von Stablecoins) stark wächst, die Nachfrage jedoch schwach bleibt, sinkt zwangsläufig der Preis (bzw. der Zinssatz). Das ist ein Grundprinzip der Wirtschaft, und auch DeFi bleibt davon nicht verschont.
Am Beispiel des Marktführers Aave: Die Nutzung der Stablecoins ist deutlich rückläufig. Bis zum 12. März lag das Gesamt-Total Value Locked (TVL) bei 42,5 Milliarden USD.
Bei genauerer Betrachtung der Kapitalstruktur zeigt sich eine beunruhigende Zahl: Nur 16,3 Milliarden USD sind aktiv verliehen. Über 60 % der eingelagerten Vermögenswerte sind ungenutzt, was das Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage direkt in den schnellen Zinsrutsch übersetzt.
Das bedeutet, dass Kapital nur eingelagert, aber kaum verliehen wird, was zu einer erheblichen Liquiditätsstauung führt. Die Protokoll-Algorithmen müssen die Zinskurve automatisch senken, um mehr Kreditnehmer anzuziehen.
Doch diese Maßnahmen zeigen kaum Wirkung. Bei Aave V3 sind die USDC- und USDT-Zinsen auf Ethereum bereits unter 2 %, im Gegensatz zu den zweistelligen Renditen während des Bullenmarkts.
Der Stablecoin-Markt befindet sich in einer „Liquiditätsfalle“. Wenn der Markt mit kostengünstigem Kapital überschwemmt ist, aber es an renditestarken Investitionsmöglichkeiten fehlt, sammeln sich diese Mittel in den Kreditpools.

Zinsraten stürzen ab, zyklische Kreditaufnahme verlangsamt sich, Leverage stockt
Der Boom der Stablecoin-Zinsen in DeFi ist im Wesentlichen durch „Hebel“ getrieben. Wenn die Arbitrage im Perpetual-Contract-Markt abkühlt, schrumpft die Kreditnachfrage für Stablecoins rasch, was zu einem plötzlichen Zinsrückgang führt.
In Bullenmärkten ist die Long-Stimmung hoch, die Zinskosten sind positiv und hoch. Arbitrageure nutzen die Strategie „Stablecoin leihen, Spot kaufen + Perpetual verkaufen“ (Delta-neutral), um risikofrei Gewinne durch Zinskosten zu erzielen. Dabei sind Stablecoins der Treibstoff.

Doch die Derivatemärkte zeigen derzeit schwache Performance. Auf zentralisierten Exchanges (CEX) sind die Funding-Rates für BTC und ETH mehrfach negativ oder extrem niedrig positiv. Das deutet auf eine dominierende Bärenstimmung oder äußerst vorsichtige Bullen hin.

Egal, welche Erklärung man bevorzugt, das Ergebnis ist dasselbe: Der Antrieb der Arbitrageure fehlt.
Wenn die annualisierten Funding-Rates stark sinken, verringert sich die Nettorendite nach Abzug von Kreditkosten und Transaktionsgebühren erheblich. Die Kreditnachfrage für Stablecoins bricht ein.
Ein weiterer Hauptgrund für die Nachfrage nach Stablecoin-Krediten ist die zyklische Kreditaufnahme. Diese Strategie besteht darin, in Aave z.B. sUSDe (ertragsstarke Assets) einzuzahlen, USDC zu leihen, dann USDC in mehr sUSDe umzutauschen und wieder einzuzahlen.
Diese Strategie war einst sehr beliebt, da die Rendite von USDe bei 30 % lag, während die Kreditkosten nur bei etwa 10 % standen – ein Arbitragepotenzial von 20 Prozentpunkten.
Nach dem „1011“-Ereignis kam es jedoch zu einer katastrophalen Verringerung der Zinsdifferenz, und USDe erreichte eine „Skalierbarkeitsgrenze“, wodurch das Volumen von fast 15 Milliarden USD auf derzeit 6 Milliarden USD sank.
Die Rendite von USDe hängt stark vom Short-Position-Volumen im Markt ab. Da das Open Interest bei Perpetuals begrenzt ist, führt eine Expansion des USDe-Volumens dazu, dass die erforderlichen Short-Positionen die Marktzinssätze senken und somit die Rendite von sUSDe drücken.
Für normale Trader bedeutet sinkende Renditen bei sUSDe eine geringere Spanne für ihre Strategien. Die Nachfrage nach Leverage-Positionen und somit auch nach Stablecoin-Reserven nimmt ab.

Dies ist ein sich selbst verstärkender Negativkreislauf: Nachfragerückgang → Zinsrückgang → weiterer Nachfragerückgang.

Risikoaversion im Kryptomarkt steigt, Kapital sucht Sicherheit
Ein weiterer wichtiger Faktor für den Rückgang der Stablecoin-Zinsen ist die abnehmende Risikoaffinität im Kryptomarkt.
In den letzten Monaten haben Angst- und Gier-Indizes (Fear & Greed Index) häufig den Bereich „extreme Angst“ erreicht, selbst als BTC bei 70.000 USD blieb.

CoinDesk-Daten zeigen, dass das Gesamtvolumen der CEX-Handelsplätze im Februar um 2,41 % auf 5,61 Billionen USD gefallen ist – das niedrigste Niveau seit Oktober 2024.
Die sinkende Risikoaffinität führt dazu, dass Investoren in sicherere Segmente umschichten.
Seit Januar 2024 liegt der effektive Federal Funds Rate der Fed bei über 3,6 %. Obwohl Marktteilnehmer eine moderate Zinssenkung in Aussicht stellen, bleibt die tatsächliche Rate auf relativ hohem Niveau.
Dieses makroökonomische Umfeld wirkt sich tief auf die Zinsen für DeFi-Stablecoins aus. Wenn die risikofreie Rendite von US-Staatsanleihen höher ist als die Zinsen auf DeFi-Einlagen, ziehen rationale Investoren ihr Kapital aus On-Chain-Protokollen ab oder investieren in RWA (Real World Assets)-basierten Plattformen, die eine Risikoprämie bieten.

Im Zinswinter schrumpfen nicht alle Protokolle. Sky (ehemals MakerDAO) hat eine einzigartige „Ertragsmauer“ aufgebaut.
Im Gegensatz zu Aave, das stärker auf On-Chain-Kreditnachfrage angewiesen ist, generiert Sky Erträge auch aus 15 Milliarden USD an etablierten RWA-Assets wie US-Staatsanleihen und AAA-Unternehmensanleihen, die nicht von Krypto-Volatilität beeinflusst werden und stabile Cashflows bieten.
Dieses Modell, RWA in die zugrunde liegenden Sicherheiten umzuwandeln, treibt die USDS-Emission monatlich um 68 % nach oben, mit einer Marktkapitalisierung von fast 8 Milliarden USD.
Bis heute liegt die Verzinsung von sUSDS bei etwa 3,75 %, was den „Faktischen Boden“ für On-Chain-Renditen bildet. In den USDC- und USDT-Tresoren liegt die Einlageverzinsung bei über 5 %.
Damit übernimmt Sky eine Rolle ähnlich einer „Benchmark-Zinsplattform“. Im Vergleich dazu sind die Zinsen für ähnliche Assets bei Aave kaum konkurrenzfähig.

Daraus ergibt sich, dass Sky sich vom reinen Stablecoin-Protokoll zu einem „Fixed Income Asset Management“-Protokoll wandelt, das seine umfangreiche RWA-Portfolio nutzt, um das Abwärtsrisiko im Kryptomarkt zu hedge.
Wenn im DeFi keine Nachfrage besteht, kann Sky externe (traditionelle Finanzmärkte) nutzen, um Erträge zu generieren.

Für Investoren wird es in diesem Zyklus entscheidend sein, die zugrunde liegenden Assets hinter den Renditen zu verstehen – ob sie aus Staatsanleihen stammen oder aus Volatilitätsprämien im Futures-Markt.
Die Strategie sollte sich vom „APY-Jagen“ hin zu einer „Risiko-Differenzierung“ verschieben.

Der „Zinswinter“ ist nicht nur eine zyklische Schwankung, sondern auch ein notwendiger Schmerz bei der „Entwässerung“ der DeFi-Blase.
Vielleicht hat die Talsohle 2023 die Grundlage für den Aufschwung 2024 gelegt, und dieser Zinsboden könnte auch ein Zeichen dafür sein, dass DeFi sich auf die nächste große Bewegung vorbereitet.

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