Der Oberste Gerichtshof ruft auf: „Rechtliche Reaktion auf Kryptowährungen“: Drei wichtige Signale werden ausgesendet!

Originalautor: Li Xinyi

Einleitung

Am 24. Februar 2026 hielt der Oberste Volksgerichtshof eine Pressekonferenz ab. Der Leiter der Zweiten Zivilkammer, Wang Chuang, erwähnte bei der Vorstellung der jährlichen Arbeitsschwerpunkte eine beeindruckende Aussage:

„Verabschiedung von gerichtlichen Auslegungen zu zivilrechtlichen Schadensersatzansprüchen bei Insiderhandel, Marktmanipulation und anderen Verstößen im Wertpapiermarkt, vertiefte Erforschung rechtlicher Maßnahmen im Umgang mit neuen Finanzfällen wie Private-Equity-Fonds und virtuellen Währungen.“

In den letzten zehn Jahren verband man bei Diskussionen über Kryptowährungen und chinesisches Recht meist Begriffe wie „Betrug“, „Pyramidenspiele“, „Geldwäsche“. Heute jedoch ist diese Thematik offiziell in die jährliche Arbeitsplanung des Obersten Gerichtshofs aufgenommen worden, gleichberechtigt neben „Wertpapiermarkt“ und „Private-Equity-Fonds“.

Dieses Signal ist tiefgreifender als die wörtliche Bedeutung –

Kryptowährungen bewegen sich vom Schwerpunkt der strafrechtlichen Verfolgung hin zu einem neuen Knotenpunkt der zivil- und handelsrechtlichen Regulierung.

In diesem Artikel werde ich die drei Signale analysieren, die hinter dieser Aussage stehen.

Signal 1: Die Veränderung der Identität – Vom illegalen Gegenstand zu neuartigem Eigentum

Früher, wenn Sie Streitigkeiten im Zusammenhang mit Kryptowährungstransaktionen hatten und vor Gericht Ihre Rechte durchsetzen wollten, standen Sie oft vor einem unangenehmen Dilemma: Die Gerichtstür ist möglicherweise nicht für Sie geöffnet.

Die häufigsten Ablehnungsgründe waren:

  • „Das fällt nicht in unseren Zuständigkeitsbereich“ – Das Gericht könnte der Ansicht sein, dass Streitigkeiten aus Kryptowährungstransaktionen nicht in den Zuständigkeitsbereich der Volksgerichte fallen und daher die Klage abweisen.
  • „Ihre Transaktion ist illegal, der Vertrag ist ungültig“ – Das Gericht könnte feststellen, dass Kryptowährungen keinen gleichwertigen rechtlichen Status wie gesetzliches Zahlungsmittel besitzen und die Transaktion gegen Finanzvorschriften verstößt, weshalb der Vertrag ungültig ist und die Klage abgewiesen wird.

In einem solchen rechtlichen Umfeld werden Streitigkeiten im Zusammenhang mit Kryptowährungen zu einer Art „rechtlich unbeachteter Klage“. Man fühlt sich verletzt, seine Rechte sind verletzt, doch vor Gericht fehlt es an einem passenden Begriff oder Anknüpfungspunkt für die eigene Forderung.

Die Wende kam Ende 2025.

Im Dezember 2025 veröffentlichte der Oberste Volksgerichtshof die Entscheidung „Zur Änderung der Regelung der zivilrechtlichen Streitgegenstände“, die ab dem 1. Januar 2026 in Kraft trat. Diese Änderung ist ein Meilenstein – erstmals wurde „Streitigkeiten über Daten, virtuelle Eigentumswerte im Internet“ als erster Streitgegenstand eingeführt.

Was bedeutet das?

  • Kryptowährungen haben „einen Eintrag im Register“: Ab sofort werden Kryptowährungen, digitale Sammlerstücke (NFTs) und Ausrüstungen in Online-Spielen im System der Gerichtsregister als „virtuelles Eigentum im Internet“ erfasst. Sie sind nicht mehr rechtlich unsichtbar.
  • Von „Rechtmäßigkeit“ zu „Lösungsansätzen“: Das Gericht beschäftigt sich nicht mehr vorrangig mit der Frage, ob die Transaktion legal ist, sondern erkennt an – sobald Streit entsteht, handelt es sich um eine Eigentumsfrage, die rechtlich gelöst werden muss. Die Gerichtstür öffnet sich nun für diese Art von Streitigkeiten.

Kurz gesagt: Nur wenn eine Streitigkeit rechtlich als Streitgegenstand anerkannt ist, kann das Gericht sie auch entscheiden. Für alle Akteure im Web3- und Kryptowährungsbereich ist dies die solideste Grundlage für den Aufbau einer konformen Schutzmauer.

Signal 2: Die Veränderung der Ermessensspielräume – Von pauschaler zu differenzierter Rechtsprechung

Wenn die Festlegung des Streitgegenstands die Frage klärt, ob eine Klage eingereicht werden kann, beantwortet die Veränderung der Rechtsprechungslogik die Frage: „Wie soll gerecht entschieden werden?“

In den vergangenen Jahren basierten viele Kryptowährungsfälle auf einer strengen Haltung: Es wurde entschieden, virtuelle Währungshandlungen und Spekulationen zu verbieten, um Chaos zu verhindern, und alle damit verbundenen zivilrechtlichen Handlungen wurden für ungültig erklärt, wobei Verluste vom Kläger selbst getragen werden mussten. Diese „Alles-oder-Nichts“-Logik war klar, aber in komplexen Streitfällen oft nicht gerecht.

Ab 2024 erschienen zunehmend differenzierte Urteile. Gerichte begannen, bei der Feststellung der Ungültigkeit von Transaktionen auch Artikel 157 des Bürgerlichen Gesetzbuchs heranzuziehen, um Faktoren wie Verschulden, Transaktionsstellung und andere Umstände zu berücksichtigen und die Verantwortlichkeiten anteilig zu verteilen.

Im Fall eines Verfahrens in Yangpu, Shanghai, im Jahr 2025, wurde dieses Prinzip angewandt: Ein Treuhandvertrag war ungültig, aber der Beklagte musste dem Kläger dennoch einen Teilbetrag zurückzahlen und Schadensersatz leisten. Die Begründung des Richters war entscheidend: „Die Ungültigkeit des Vertrags bedeutet nicht automatisch, dass bereits entstandene Verluste wegfallen. Es ist notwendig, im Sinne der Gerechtigkeit eine angemessene Verteilung der Schadensersatzpflicht vorzunehmen.“

Von einer pauschalen Ablehnung zu einer anteiligen Verantwortungszuweisung – die Rechtsprechung bewegt sich weg von starren Regeln hin zu einer differenzierten Betrachtung. Die Formulierung des Obersten Gerichtshofs, „vertiefte Forschung“, bestätigt diesen Trend: Streitigkeiten im Zusammenhang mit Kryptowährungen werden in eine reifere, feinere Rechtssphäre integriert.

Signal 3: Die Veränderung der Rechtsbehelfe – Mehr umfassende Justiz

Wenn die Festlegung des Streitgegenstands die Frage klärt, ob eine Klage eingereicht werden kann, und die Rechtsprechung die Frage beantwortet, wie gerecht entschieden wird, dann zielt die Verbesserung der Rechtsbehelfe auf eine praktischere Frage ab – Können Gelder zurückgeholt werden?

Früher war die strafrechtliche Verfolgung von Kryptowährungsdelikten der wichtigste Ansatz. Im Strafrecht wurde die Eigentumsfunktion von Kryptowährungen bereits anerkannt. Im August 2025 veröffentlichte der Oberste Gerichtshof einen typischen Fall, in dem es um die Nutzung von Blockchain und Kryptowährungen zur Verschleierung und Übertragung krimineller Gelder ging. Die Methoden wurden immer professioneller und versteckter, und die Justiz musste durchdringen, um die tatsächlichen Täter zu fassen.

Aber das Problem ist: Strafverfolgung kann Täter festnehmen, aber nicht immer das Geld zurückholen. Viele Fälle enden damit, dass die Täter gefasst werden, das Geld aber verloren ist, und die Opfer bleiben auf der Strecke.

Dies ist die zweite tiefere Bedeutung, die der Oberste Gerichtshof mit seiner Aussage anstrebt.

Mit der kontinuierlichen Verbesserung der rechtlichen Maßnahmen im Umgang mit virtuellen Währungen und neuen Finanzfällen wird der Weg künftig vielfältiger: Neben strafrechtlicher Verantwortlichkeit gewinnt die zivilrechtliche Schadensersatzmechanik an Bedeutung. Die Rechtsprechung wandelt sich allmählich – weg vom reinen „Bekämpfen“ hin zu „Bekämpfen und Entschädigen“.

Für Marktteilnehmer bedeutet das:

  • Erstens: Die Rechtsbehelfe werden umfassender. Die Rechte der Vertragstreuen und Geschädigten sind auf mehreren Ebenen geschützt, nicht mehr nur durch strafrechtliche Rückerstattung.
  • Zweitens: Die Kosten für illegale Handlungen steigen wirklich. Die Risiken werden neu bewertet, und die Strafbarkeit wird durch die Rechtsprechung neu gestaltet.

Fazit

Wie der Richter des Yangpu-Gerichts in Shanghai sagte: „Angesichts der anhaltenden Risiken im Zusammenhang mit virtuellen Vermögenswerten sollten Investoren ein Verantwortungsbewusstsein entwickeln, das auf ‚Risiko selbst tragen, Konformität priorisieren‘ basiert… Die stabile Reaktion der Justiz auf Investitionen und Finanzierungen im Zusammenhang mit Kryptowährungen trägt dazu bei, den Markt zu einer rationaleren Entwicklung zu führen.“

Dieses Zitat verdeutlicht die zentrale Haltung: Bei Kryptowährungen tut die Justiz drei Dinge – sie erkennt ihre Existenz an, nimmt ihre Streitigkeiten ernst und reguliert ihre Rechtsprechung.

Der Weg ist noch lang, aber die Richtung ist klar. Natürlich gibt es einige Fakten, die man nüchtern betrachten muss:

  • Die Etablierung eines neuen Streitgegenstands bedeutet nicht die Legalisierung der Transaktionen. Die Klage kann eingereicht werden, aber das bedeutet nicht, dass sie rechtlich geschützt ist.
  • Differenzierte Rechtsprechung bedeutet nicht, dass Risiken ausgeschlossen sind. Feinere Urteile bedeuten nicht automatisch, dass Verluste ersetzt werden.

Doch die wichtigste Veränderung besteht darin: Wenn Streit entsteht, ist die Gerichtstür nicht mehr verschlossen. Das ist vielleicht die Bedeutung des Rechtsstaats – nicht zu ermutigen, nicht zu tolerieren, aber auch nicht zu vermeiden.

Original anzeigen
Disclaimer: The information on this page may come from third parties and does not represent the views or opinions of Gate. The content displayed on this page is for reference only and does not constitute any financial, investment, or legal advice. Gate does not guarantee the accuracy or completeness of the information and shall not be liable for any losses arising from the use of this information. Virtual asset investments carry high risks and are subject to significant price volatility. You may lose all of your invested principal. Please fully understand the relevant risks and make prudent decisions based on your own financial situation and risk tolerance. For details, please refer to Disclaimer.
Kommentieren
0/400
Keine Kommentare